Halsband oder Geschirr?

Halsband oder Geschirr?  In einer aktuellen Studie wurde das gehäufte Auftreten von erhöhtem Augendruck mit dem Tragen eines Halsbands in Verbindung gebracht. Was schon bei einem „gut an der Leine gehenden“ Hund zu Problemen führen kann, wird zu einer direkten Gesundheitsgefahr, wenn der Hund nicht gelernt hat, an lockerer Leine zu gehen. Ein gut angepasstes Brustgeschirr schützt vor Schädigungen an Halswirbelsäule, Schilddrüse, Kehlkopf und auch weiter entfernten Strukturen.

Ein Halsband sollte niemals verwendet werden, um dem Hund das Gehen an der Leine beizubringen. Einer Hundeschule, die mit längst überholten Korrekturmethoden dieser Art arbeitet, sollte man schnellstens den Rücken kehren. Leider gibt es immer noch “Trainer”, die ihren Kunden erzählen Brustgeschirre würden die Last auf dem Rücken des Hundes verteilen, zu “Verformungen” führen oder erst zum Ziehen animieren und das Tragen eines Halsbandes wäre gesünder.

Schleudertraumata beim Rennen in eine längere Leine sind nicht ungewöhnlich, denn es wirken extreme Kräfte auf empfindlichste Bereiche ein. Nico Feider (ballance.lu) beschreibt in diesem Zeitungsartikel welche Ausmaße diese annehmen:
http://www.ballance.lu/attachments/article/94/05_Halsband%20oder%20Geschirr.pdf

Schaut man sich Schlittenhunde, Tiere im Zugsport oder einfach mal den eigenen Hund an, wenn Zug auf dem Geschirr lastet, dann sieht man wie der Druck auf dem kompletten Brustkorb des Tieres verteilt wird und nicht nur auf einem sehr kleinen Gebiet.

Durch Zug am Halsband wird massiv in die Körpersprache des Hundes eingegriffen, man nimmt ihm ein ganzes Spektrum an Kommunikationsmöglichkeiten. Entsprechend reagieren Artgenossen auf den vermeintlich “aggressiven” Hund.

Hunde lernen immer – nicht nur, wenn wir das möchten und explizit mit ihnen trainieren. Was ein Tier in einem Kontext lernt, in dem es Schmerzen mit dem Auftauchen von Kindern, Joggern, Artgenossen oder Radfahrern verknüpft, kann man sich ungefähr ausmalen. Je nach Vorerfahrung, Veranlagung und Hundetyp kann schon durch einmaliges Erlebnis dieser Art Meide- oder auch Aggressionsverhalten ausgelöst werden. Auf die Weise “erzieht” man sich einen leinenaggresiven Hund.

Im schlimmsten Fall wird der Schmerz durch den Leinenruck mit der momentanen Situation verknüpft und Hund lernt „Jogger/Hunde/Radfahrer/Kinder… verursachen Schmerzen“. Je nach Veranlagung wird der Hund zukünftig versuchen, solchen Situationen zu entkommen – von Meideverhalten bis zu aggressiven Reaktionen ist dann alles möglich. Auf diese Weise erzieht man sich einen ,leinenaggressiven‘ Hund.

Ein gut sitzendes Brustgeschirr engt das Tier nicht ein, stört nicht und ist schnell an/ausgezogen. Geschirre gibt es passend für Hunde aller Größen und für jeden Geschmack!
Das Nähen eines maßgeschneiderten Geschirrs ist nicht schwer und wird in meiner Anleitung beschrieben:

http://www.frauhund.de/hund/naehen/9-naehanleitung-brustgeschirr

Weitere Artikel zum Thema:

Schäden durch Zug am Halsband: http://www.mir-san-hund.com/_upload/file/Geschirr-Halsband%5B1%5D.pdf

Studie – Erhöhter Augendruck durch Zug am Halsband: http://www.vetcontact.com/de/art.php?a=3468&t=

Dissertation – Leinenruck und Aggression:http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/brunss_2003.html